Poesie. - Ähnlich wie der Begriff 'Romantik', hat auch 'Poesie' im Sprachgebrauch eine dramatische - wenn nicht tragische - Entwicklung als Bedeutungs- oder Sinnverlust erfahren.

Man kann vielleicht sogar sagen, sie haben eine Art Sterbeprozess durchgemacht, werden ihrer wahren Bedeutung nach immer weniger erfasst; trifft man doch häufig nur noch auf ihre Hüllen, die auf die Ebene des Kitsches gezogen werden oder vielleicht auch heimatlos herumgeistern.

Das Wort 'Poesie' leitet sich ab vom griechischen 'poiesis', das 'Erschaffung' bedeutet; vor diesem Hintergrund sieht man sich in den Bedeutungskreis der 'Schöpfung' versetzt, des Erschaffens, - des 'Schaffens' auf menschlicher Ebene, dem auch die Verbform 'poiein' - 'hervorbringen, schaffen, tun' entspricht.

Für eine Verbindung eigener künstlerischer Arbeitsansätze mit dem, was der Begriff 'Schöpfung' beinhaltet, steht das Wort POESIE als Titel dieser Internetseite. - Die Arbeitsmethode wird hier unter 'KUNST-WEGE' ausführlicher beschrieben.

Einige mir wichtige Zitate zu dem Begriff 'Poesie':


'...Man spricht im Sinne des Novalis, wenn man sagt, dieser Vorgang erreiche in der Poesie seine höchste Stufe. Denn die Poesie wird ihm zur universellen Kraft, zur Weltkraft, zur Logoskraft. Sprechen doch alle Welterscheinungen durch die künstlerische Vergeistigung ihr wahres Wesen aus, die Poesie öffnet den Mund aller Kreaturen und versteht das Wort aller Geschöpfe. Daher ist Poesie in alle Dinge verzaubert, ist die Schöpfung Poesie. Die Poesie besitzt diese Weltmacht, weil sie das Wesen alles Sinnlichen durch die Vergeistigung offenbart und das Wesen alles Geistigen als die schöpferische Durchdringung und Gestaltung des Sinnlichen vor Augen stellt. Poesie ist Weltkunst. Sie schafft ein geistiges Reich im Sinnlichen und ein sinnliches Reich im Geistigen. Als die Vereinigung des Inneren und des Äußeren überwindet sie allen Dualismus, alle Zweiheit, alle Spaltung. Sie lässt aus einer Welt, in der Sinnliches und Geistiges einander noch widersprechen, eine neue Welt der Einheit und universalen Vereinigung hervorgehen. ... '

                                                                                                                              Herbert Witzenmann

'Die Unvollendung der Poesie ist nothwendig. Ihre Vollendung = das Erscheinen des Messias' 

                                                                                                                                Friedrich Schlegel

‚Und wenn wir uns heute gestehen müssen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, Kunst zu schaffen, so hängt dies eben damit zusammen, dass wir keine Geheimnisse mehr erleben können, dass der kalte und nüchterne Intellektualismus uns zu wach, zu nackt gemacht hat, dass wir nicht mehr träumen können, es auch gar nicht mehr wagen, dass wir nur noch Gewöhnliches, Bekanntes, Endliches zu sehen und zu erkennen vermögen. Die Welt ist heute prosaisch und geheimnislos geworden, denn wir haben die Poesie aus unserem Leben vertrieben und damit sein eigentliches Lebenselement.’ 

                                                                                                                                      Diether Rudloff

INDEM ICH

DEM GEMEINEN EINEN HOHEN SINN
DEM GEWÖHNLICHEN EIN GEHEIMNISVOLLES ANSEHN
DEM BEKANNTEN DIE WÜRDE DES UNBEKANNTEN
DEM ENDLICHEN EINEN UNENDLICHEN SCHEIN GEBE,

SO ROMANTISIERE ICH ES 

                                                                                          

‚Die Poesie heilt die Wunden, die der Verstand schlägt.’

‚Der Mensch spricht nicht allein – auch das Universum spricht – alles spricht – unendliche Sprachen.’

‚Jeder Mensch sollte Künstler sein. Alles kann zur schönen Kunst werden.’

‚Allfähigkeit alles Irdischen, 'Brot und Wein des ewigen Lebens’ zu sein.

‚Natur soll Kunst und Kunst zweite Natur werden.’

‚Der Sinn für Poesie hat viel mit dem Sinn für Mystizismus gemein. Er ist der Sinn für das Eigentümliche, Personelle, Unbekannte, Geheimnisvolle, zu Offenbarende, das Notwendigzufällige. Er stellt das Undarstellbare dar. Er sieht das Unsichtbare, fühlt das Unfühlbare etc.’

                                                                                                                                 Zitate ohne Namenszuordnung von NOVALIS