Ein Zeugnis, das Charles Darwin (12.2.1809-19.4.1882) von sich selber gegeben hat. Er schreibt in seiner Autobiographie, dass ihm bis etwa zum 38. Lebensjahr oder ein wenig später ‘Poesie aller Art’ zum Beispiel die Werke von Milton, Gray, Byron, große Befriedigung bereitet hatten. Schon in den Schuljahren habe er ‘mit großem Genuss’ Shakespeare gelesen und sich an der bildenden Kunst und mehr noch an der Musik erfreut.
‘Nun sind es aber schon viele Jahre, dass ich mich nicht dazu bringen kann, auch nur eine einzige Zeile eines Gedichtes zu lesen. Vor kurzem versuchte ich, Shakespeare zu lesen, doch erschien mir das unwahrscheinlich - bis hin zum Widerwillen - langweilig. Ich habe den Geschmack für darstellende Kunst und Musik fast verloren ... Musik zwingt mich gewöhnlich, besonders angestrengt an das zu denken, woran ich im gegebenen Augenblick gerade arbeite. Mein Verstand scheint so etwas wie eine Maschine geworden zu sein, die große Ansammlungen von Fakten und allgemeinen Gesetzen vermahlt, doch bin ich nicht in der Lage, zu begreifen, warum das zur Atrophie eines Teiles meines Gehirns führen mußte, wovon höhere Geschmacksrichtungen abhängen. Ich nehme an, dass einem Menschen mit einem höher organisierten oder besser veranlagten Verstand als dem meinigen ein solches Unglück nicht widerfahren würde, und wenn ich in die Lage käme, mein Leben neu zu durchleben, würde ich mir selbst die Regel auferlegen, mindestens einmal in der Woche eine bestimmte Anzahl von Gedichten zu lesen und eine Anzahl von Musikstücken mir anzuhören ... Der Verlust am Geschmack solcher höheren Interessen kommt dem Verlust des Glücks in seinem ganzen Umfange gleich, was sich womöglich schädlich auf die verstandesmäßigen Fähigkeiten auswirkt, noch wahrscheinlicher aber - auf die sittlichen Qualitäten, da das die gefühlsempfindliche Seite unserer Natur schwächt.’