'Die Welt ist voller Herrlichkeiten und Großartigkeiten. Man muß sich in sie vertiefen; man muß den Gott in seinen Einzelheiten kennen, dann kann man ihn in sich selbst finden, und dann lernt man den Gott erst in der Ganzheit kennen. Die Welt ist wie ein großes Buch. In den Schöpfungen haben wir die Buchstaben dafür; die müssen wir lesen von Anfang bis zu Ende: dann lernen wir das Buch Mikrokosmos und das Buch Makrokosmos von Anfang bis zu Ende lesen. Und das ist dann kein bloßes Verstehen mehr; es lebt sich aus in Gefühlen, es schmilzt den Menschen zusammen mit der ganzen Welt, und er empfindet alle Dinge als den Ausdruck des göttlichen Geistes der Erde. Ist der Mensch so weit, dann handelt er ganz von selbst aus dem Willen des ganzen Kosmos heraus, und das ist die Gottseligkeit. Wenn wir imstande sind, so zu denken, dann gehen wir den Rosenkreuzer-Weg. Die christliche Schulung baut mehr auf das Gefühl, das im Innern ausgebildet wird; die rosenkreuzerische Schulung läßt auf uns wirken, was in der physischen Wirklichkeit ausgebreitet ist als die Göttlichkeit der Erde, und läßt es in Empfindung ausklingen. Das sind zwei Wege, die für jeden gangbar sind. Wenn Sie so denken, wie man in der Gegenwart denkt, dann können Sie den Rosenkreuzer-Weg gehen, wenn Sie auch noch so wissenschaftlich sind. Die moderne Wissenschaft ist sogar ein Hilfsmittel, wenn Sie den Werdegang der Welten nicht nur in Buchstaben verfolgen, sondern auch in dem suchen, was dahinter verborgen ist, ebenso wie man in einem Buche auch nicht die Buchstaben anschaut, sondern den Sinn herausliest. Sie müssen den Geist suchen hinter der Wissenschaft, dann ist Ihnen die Wissenschaft nur der Buchstabe für den Geist.'
Rudolf Steiner
‚Die Natur soll der sichtbare Geist, der Geist die unsichtbare Natur sein. Hier also, in der absoluten Iden-tität des Geistes in uns und der Natur außer uns, muss sich das Problem, wie eine Natur außer uns möglich sei, auflösen.’
Schelling (Ideen zu einer Philosophie der Natur, 1797)
‘Noch weilt bei vielen der Glaube, das Anschauen der Natur führe von Gott ab, Gott rede nur in seinem geschriebenen Wort zu uns. Für seine Stimme, die tagtäglich durch die Welten zu uns spricht, haben diese keine Ohren; dass Gott zu seinen Kindern rede in Sonnenschein und Sturm, dass er im Sichtbaren darstelle das Unsichtbare, dass die ganze Natur uns eine Gleichnisrede sei, die der Christ zu deuten habe, täte jedem Not, zu erkennen.
Jeremias Gotthelf (1797-1850)