'Dialogisches Leben ist nicht eins, in dem man viel mit Menschen zu tun hat, sondern eins, in dem man mit den Menschen, mit denen man zu tun hat, wirklich zu tun hat.' 

Von Martin Buber stammt diese Aussage, die ich, nachdem ich sie gehört hatte, sogleich aufgeschrieben und gelesen habe, bis ich sie auswendig wusste. - Nicht, dass wir heute unbedingt einen Bedarf an Dialogen hätten - wobei das natürlich von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein kann - es ist eher die Qualität der Dialoge, über die vielleicht nicht ich allein mitunter traurig bin.

Wie sehe ich den anderen Menschen? Was ist Begegnung, Gespräch, was können sie sein und welches sind ihre Voraussetzungen? Nehme ich den anderen in seiner Individualität und also Andersartigkeit überhaupt wahr? Interessiert sie mich (liebe ich sie) und wie gehe ich mit ihr um? Wie erreiche ich es, den anderen zu verstehen? In welchem Maß kann ich es erreichen? - Solche und etliche verwandte Fragen bewegte Martin Buber in zwei Vorlesungen, die 1962 und 1963 gehalten sind und als 2CD (zur Zeit bei 'Jokers' zu einem Sonderpreis) erhältlich sind:

1. - 'Elemente des Zwischenmenschlichen'

2. - 'Das Wort, das gesprochen wird'

Wir lernen (meine ich) - auch in den Schulen - vieles Wesentliche nicht. Zum Beispiel eben: Was Begegnung, was ein Dialog ist und was er sein kann. Wirkliche Begegnungen und Dialoge sind (deshalb?) eher selten. Finden sie aber einmal statt, so ist das in der Regel beglückend. Und Martin Buber darüber sprechen zu hören, gehört für mich zum Begeisternsten, was ich auf dem Gebiet kenne. - Unbedingt eine Empfehlung.

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Ein anderer Meister des Gesprächs ist der 2002 verstorbene Philosoph Hans-Georg Gadamer. Von ihm stammt die (von mir ebenfalls unmittelbar nach dem ersten Lesen notierte) Aussage:

Sprechen ist Suchen des Wortes. Finden des Wortes ist wohl immer schon eine Beschränkung. Wer wirklich zu jemandem sprechen will, tut es im Suchen der Worte, weil er an die Unendlichkeit dessen glaubt, was einem zu sagen nicht gelingt, und was gerade dadurch, dass es einem nicht gelingt, im Anderen anzuklingen beginnt. Etwas von dieser Weisheit des Stammelns und Verstummens wird vielleicht das Zukunftserbe unserer geistigen Kultur für kommende Generationen sein.’ ...

Auch von ihm ist bei 'Jokers' eine Doppel-CD angeboten mit dem Titel 'Von der Lust am Dialog' (welcher allerdings irreführend ist, da die erste CD 'Zeitgeschichte in Lebensgeschichten' Gadamers Erinnerungen des 20. jahrhunderts gewidmet ist - er ist 102 Jahre alt geworden und hat als Hundertjähriger noch ohne Mikrofon einen Festvortrag in der Heidelberger Universität halten können - und die zweite CD zum Thema hat 'Kairos. Ein Diskurs über die Gunst des Augenblicks und das weise Maß'. Ebenfalls unbedingt empfehlenswert, jedoch eben nicht eigentlich zentral zum Thema des Dialogs gehörig.